Die BDMS-KomödieThe Feeling That the Time for Doing Something Has Passed bei der Viennale.
Joanna Arnow (i hate myself :)) gibt mit der BDMS-KomödieThe Feeling That the Time for Doing Something Has Passed ihr wahnwitziges und cleveres Spielfilmdebüt, in dem sie auch noch selbst die Hauptrolle übernimmt, für den Schnitt verantwortlich war und das Drehbuch schrieb – quasi eine One-Woman-Show also, mal abgesehen von den professionellen und talentierten Laien-Schauspielern.
Sexualität und Beziehungen darzustellen sei ein Faible der New Yorkerin, da die beiden Themen ja schließlich fast alle Menschen irgendwie betreffen. So lernen wir die jüdische Ann (Arnow) kenn, die in ihren 30ern noch nie eine konventionelle Beziehung geführt hat. Sie zieht es vor, sadomasochistische Sexfreundschaften zu pflegen, in denen sie sich unterwürfig gibt. In einem Interview gibt Arnow an, auf persönliche Erfahrungen zurückzugreifen, dennoch sei die Komödie nicht autobiografisch, wohl aber auto-fiktional. Die längste „Beziehung“ führt Ann mit Allen (Scott Cohen), den sie nun schon seit etwa einem Jahrzehnt regelmäßig trifft, über den sie aber so gut wie nichts Persönliches weiß.
Aber auch sonst läuft’s nicht mehr so richtig rund. Beruflich ist sie einem öden Durchschnitts-Bürojob gefangen, bei dem weder ihr Arbeitgeber weiß, wie lange sie schon für ihn arbeitet, noch ihre Boomer-Kollegen wissen, was es eigentlich mit der Digitalisierung so auf sich hat. Die jüdische Familie ist wiederum streitsüchtig oder gibt sich oberflächlichem Small-Talk hin. Diese drei Stränge – sexuell, beruflich und familiär – sind die wichtigsten Prismen, durch die wir Anns Leben betrachten. Ihre Lebenseinstellung wirkt wie jemand, der in Zeitlupe in Panik gerät, aber zu sehr abgeschaltet ist, um sich wirklich vollkommen auf seine eigene existenzielle Krise einzulassen.
Arnow gibt selbst zu Protokoll, The Feeling That the Time for Doing Something Has Passed bewusst in sehr kurzen Szenen gedreht zu haben, die sie schließlich gekonnt im Schnitt aneinanderreihte, um einen impressionistischen Eindruck der Protagonisten zu erlangen, womit sie konventionelle narrative Filmstrukturen untergräbt. So könnten die Szenen auch für sich allein als Kurzfilm funktionieren. Die einzelnen Sequenzen hingegen zeigt sie in der Totalen und bevorzugt ohne Schnitt, was den absurden Kontext der Situationen betont und für Komik sorgt. Ob Arnow subversiv oder provokativ ist? Nein, schließlich sei Sexualität ja ziemlich üblich für Menschen, sie zeige diese eher in komödiantischer als sensationeller Weise, so das Resümee der Filmemacherin. Sarah Riepl
Viennale-Termin:
24.10., 13 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus
Tickets: www.viennale.at
