Familienmensch und Superstar: celluloid traf die Hollywood-Ikone beim Filmfestival in Cannes zum Gespräch.
Das noble Carlton Hotel auf der Croisette, Samstag Nachmittag. Kevin Costner ist im Haus und empfängt ausgewählte Journalisten, um über seinen neuen Western „Horizon“ zu sprechen, den er seit 30 (!) Jahren vorbereitet. Auf dem Hotelflur wuselt es, überall Kamerateams, nervöse PR-Agenten, Kellner, die Snacks servieren. Dann geht die Tür auf zur Residence Canada, im frisch renovierten Teil des Luxushotels. Kevin Costner, im entspannten Croisette-Look, schüttelt uns die Hand. „In Cannes geht es immer sehr hektisch zu, aber ich will gerne ein bisschen Ruhe in den Trubel bringen“, sagt Costner. Das heißt: Er will sich wirklich Zeit nehmen für das Interview.

„‚Horizon‘ wird eine vierteilige Western-Saga, von der Teil eins schon fertig ist“, erzählt er. Teil zwei ist abgedreht, aber: „Mir fallen oft mitten in der Nacht neue Szenen ein, die ich noch drehen will“ – bis zum Filmstart im Herbst ist nicht mehr allzu lange Zeit. „Für Teil drei und vier suche ich noch Investoren“, erzählt Costner, der „Horizon“ – für Hollywood völlig unüblich – bisher aus eigener Tasche finanziert hat. „Weshalb ich auch tun und lassen kann, was ich möchte. Mir redet keiner drein, das ist der große Vorteil“. Das ist auch der Grund, weshalb „Horizon“ sehr viele Details vom Leben der Menschen im Wilden Westen erzählt, die man so noch nie im Film gesehen hat. „Mir ist der beschwerliche Alltag der Frauen damals mindestens genau so wichtig wie die Schießereien der Männer“, sagt Costner, der sich als sehr detailverliebt bezeichnet.

20 Jahre ist es her, dass er das letzte Mal selbst Regie geführt hat. 1990 wurde er mit dem Western „Der mit dem Wolf tanzt“ weltberühmt und bekam den Oscar. „Horizon“, ab August in unseren Kinos, erzählt nun über die Ursprünge der USA im Wilden Westen. „Der Western ist der Shakespeare Amerikas“, sagt Costner. Was er lieber mag: Reiten oder Regieführen? „Ich führe Regie aus dem Sattel“.
Nach Cannes ist Costner übrigens mit der gesamten Familie gekommen. Alle meine sieben Kinder sind hier! Sie sind der Sinn meines Lebens, sie bedeuten lebenslange Verantwortung“, sagt er. „Aber ich bin verstimmt: Während ich hier arbeite, sind sie mit einem Boot rausgefahren zum Fischen“, lacht er. „Sie haben schon drei Mal angerufen, und gesagt, wie viel Spaß sie haben“.

Dass Costner, der Familienmensch, oft mit der Familie verreist, hat einen Grund: „Ich will einfach immer alle um mich haben. Deshalb besetze ich meine Kinder auch in meinen Filmen – dann zwinge ich sie, bei mir zu sein“, lacht Costner. In „Horizon“ spielt Costners 15-jähriger Sohn Hayes mit, den er nach dessen Figur im Film benannt hat. „Hayes sollte mich immer daran erinnern, dass ich dieses Filmprojekt niemals aufgeben werde. Und jetzt ist es immerhin schon zur Hälfte geschafft!“
Matthias Greuling, Fotos: Katharina Sartena
