Thimothée auf Oscar-Kurs


Timothée Chalamet spielt Bob Dylan. Nach Berlin kam er im Schmuddel-Look, nach einer langen PR-Tour rund um die Welt ist dies sein letzter Stop vor der Oscar-Verleihung. 

Von Matthias Greuling, Berlin

In „A Complete Unknown“ liefert Timothée Chalamet eine wunderbare Interpretation eines Musikers, die ihresgleichen sucht – weshalb man dem jungen Amerikaner seitens der Oscar-Jury Rosen gestreut und ihn für die kommende Verleihung als besten Hauptdarsteller nominiert hat. Zurecht, wie die Berlinale-Vorstellung zeigte: Subtil, scheu und zurückhaltend als Musiker, als Mensch, als Ikone: Chalamet gibt seinem Dylan die Ungeschliffenheit eines Diamanten, so viel kann man da entdecken an einem Künstler, den nie wirklich fassen konnte, und den Chalamet auch nicht entschlüsselt. Er gibt ihm Aura und Verve, Mystik und Träumerei. Eigentlich unvereinbare Eigenschaften, die dieser Bob Dylan in „A Complete Unknown“ seinem Publikum vorträgt. Aber Eigenschaften, die ein Künstler und die Kunst braucht.

Thimothée Chalamet im Wespen-Outfit bei der Berlinale. Foto: Katharina Sartena

Während einer gut besuchten Pressekonferenz bei der Berlinale wurde Chalamet gefragt, wie Dylan, der mehrere ikonische Protestsongs geschrieben hat, seine Sicht auf politische Themen wie Krieg und den Aufstieg der Rechtsextremen beeinflusst hat. Chalamet: „Ich denke, die Warnungen vor sektenartigen Figuren liegen in der Natur seiner Musik. Und ich denke, dass Bob sehr wahrhaftig war – ich werde nicht für ihn sprechen, weil er in Malibu lebt und es ihm gut geht – aber meine Interpretation ist, dass man sich einfach vor allen Erlöser-ähnlichen Figuren in Acht nehmen sollte. Jeder, der sagt, dass er eine Lösung hat, sollte vorsichtig sein.“

Seit seinem Durchbruch in „Call Me by Your Name“ (2017) zieht Chalamet überall, wo er auftaucht, die Begeisterung der Fans auf sich. Das war auch in Berlin nicht anders. Die Journalisten standen vor dem Pressekonferenzraum Schlange und stürmten durch die Türen, sobald diese geöffnet wurden. Chalamet kam 30 Minuten zu spät zur Pressekonferenz, weil er sich die Zeit nahm, um Dutzenden von Fans, die draußen im Schnee auf seine Ankunft warteten, Autogramme zu geben.

Chalamet als Bob Dylan in „A Complete Unknown“. Am Rücksitz: Elle Fanning als seine Freundin. Foto: Berlinale

Berlin ist die Deutschlandpremiere von „A Complete Unknown“ und Chalamets letzte Station auf dem Weg zur Oscarverleihung. Er ist für die Darstellung des berühmten Folk-Sängers als bester Schauspieler nominiert und hat bisher eine ebenso einzigartige wie unterhaltsame Pressetour hinter sich. Chalamet sagte während der Pressekonferenz mehrmals, dass dies das letzte Wort zu „A Complete Unknown“ sei. „Das ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass ich darüber spreche“, sagte er. „Das war mein Gedanke, bevor ich hierher kam, weil ich seit zwei Monaten durch die Welt reise und darüber rede. Aber ich liebe diesen Mann so sehr, ich liebe diesen Film so sehr, dass ich das ein Jahr lang machen würde. Das würde ich wirklich tun. Das war ein Lebenswerk.“

Ab 27. Februar kann man im Kino überprüfen, ob Chalamet diesem, seinem Anspruch gerecht wird.

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