Andreas Prochaska hat einen neuen Kinofilm am Start: „Welcome Home Baby“ eröffnete die Berlinale-Reihe Panorama.
Von Matthias Greuling, Berlin
Es ist eine Rückkehr an die Kino-Front für Österreichs talentierten Gernefilmer Andreas Prochaska. Vor knapp 20 Jahren hat er mit „In 3 Tagen bist du tot“ das Horror-Genre nach Österreich geholt und die ländliche Idylle in einen Alptraum verwandelt. „Wahnsinn, 20 Jahre ist das schon her“, stöhnt er beim celluloid-Interview im Hotel Hyatt in Berlin, als wir ihn darauf ansprechen.
2013 war Prochaska dann mit seinem Western „Das finstere Tal“ erstmals bei der Berlinale vertreten und zeichnete eine düstere Version des Western-Genres. Jetzt kehrt er mit dem Thriller „Welcome Home Baby“ zur Berlinale zurück und eröffnete die Sektion Panorama – regulärer Kinostart in Österreich ist im Herbst 2025. „In diesem Film geht es um die Findung der eigenen Identität, um familiäre Gefüge, um die Rückkehr in die Heimat“, gibt sich Prochaska kryptisch. Kein Wunder, soll der Plot mit all seinen Wendungen nicht allzu sehr vorweggenommen werden, um die Spannung zu halten.

Nur soviel: Die Berliner Notärztin Judith (vortrefflich besetzt mit Julia Franz Richter) erbt unerwartet eine Villa im ruralen Österreich und taucht in eine mysteriöse Gemeinschaft von Frauen ein, die von dunklen Geheimnissen umgeben ist. Auf der Suche nach Antworten über ihre Herkunft stößt Judith auf eine düstere Vergangenheit, die ihre Überzeugungen über ihr Leben, ihre Familie und ihre Ehe in Frage stellt. Dämonische Kräfte inklusive.
„Im Grunde drehen sich die meisten meiner Kino-Arbeiten im Kern um eine dysfunktionale Familie“, sagt Prochaska. Hinzu fügt er dann verschiedene Thriller- und Horror-Elemente, die „Welcome Home Baby“ zu einem Trip in familiäre Horror-Zustände macht. Denn der eigentliche Horror kann oft ganz nahe sein, im eigenen Umfeld, wie der Film ganz schön schaurig vor Augen führt.

Gedreht hat Prochaska im südlichen Niederösterreich. „Ich war auf der Suche nach einem Dorf, das meinen Vorstellungen von einem geheimnisvollen, düsteren Ort entsprach“. Die Wahl fiel auf die Gemeinde Schottwien am Fuße des Semmering. „Dort fand ich die ideale Mischung für den Look meines Filmes“, so Prochaska, der in den letzten Jahren vor allem Fernseharbeiten ablieferte., „Aber die Rückkehr zum Kino tut gut“, gibt er zu. „Welcome Home Baby“ ist dabei ein wenig außerhalb der Norm. „So ein Film ist nur in einer Umgebung möglich, in der die Filmförderung gut funktioniert“, sagt der Regisseur. „Ein Streamingdienst hätte diesen Film niemals produziert. Dafür lässt er sich einfach nicht in deren vorgegebenen Algorithmen pressen“.
Womit Prochaska durchaus recht hat: „Welcome Home Baby“ ist schwer zu fassen, schwer zu beschreiben. Vielleicht ist er gerade deshalb eine solche außergewöhnliche Filmerfahrung.
