„Wir mussten alles kaputtmachen“

Regisseur Angel Manuel Soto über The Wrecking Crew (Amazon Prime Video)

Von Matthias Greuling

Zwei Action-Schwergewichte, kompromisslose Zerstörung und überraschend viel Herz: In der neuen Amazon-Prime-Produktion The Wrecking Crew verbindet Regisseur Angel Manuel Soto brachiale Action mit Humor, Selbstironie und emotionaler Tiefe. Im Interview spricht er über die Arbeit mit seinen Stars, Ego, Verletzlichkeit – und darüber, warum Actionsequenzen immer auch Charakterentwicklung sein müssen.

Mit The Wrecking Crew liefert Amazon Prime einen Actionfilm, der das Genre kennt, liebt – und bewusst mit ihm spielt. Wenn zwei Ikonen des Actionkinos aufeinandertreffen, knallt es nicht nur physisch, sondern auch emotional. Regisseur Angel Manuel Soto inszeniert explosive Setpieces, ohne dabei die menschlichen Brüche seiner Figuren aus dem Blick zu verlieren. Das Ergebnis: ein Film, der zerstört, unterhält und überrascht.

Angel Manuel Soto im celluloid-Gespräch mit Matthias Greuling

celluloid: Wie war es, mit diesen zwei absoluten Schwergewichten des Actionkinos zu drehen? Das muss doch unglaublich lustig gewesen sein, oder?

Angel Manuel Soto: Ja, absolut – aber ich habe den Auftrag auch sehr ernst genommen. Ich nehme meinen Spaß sehr ernst. Mir ist wichtig, dass alles sauber läuft, dass die Dinge funktionieren und sich richtig anfühlen. Bei jedem Projekt trifft man neue Menschen, neue Persönlichkeiten. Und mit jeder dieser Erfahrungen lernt man neue Werkzeuge. Für mich war es großartig zu sehen, wie Dinge, die ich früher vielleicht nicht ganz verstanden habe, plötzlich Sinn ergeben – sobald man als Regisseur den Raum schützt und zulässt, dass Dinge passieren. Es ging darum, ihnen zu erlauben, Versionen von sich selbst zu spielen, die im Drehbuch bereits angelegt waren. Jonathan Tropper hat ein fantastisches Drehbuch geschrieben, das genau auf diese beiden zugeschnitten war. Sie konnten sich selbst spielen, sich über sich lustig machen – und gleichzeitig Seiten ihrer Figuren erkunden, die sie vielleicht noch nie zuvor zeigen durften: Verletzlichkeit, Trauma, Heilung. Und trotzdem: knallharte Action.

Mussten Sie ihre Egos ausbalancieren – so wie es auch im Drehbuch thematisiert wird?

Soto: Wir alle haben Egos. Und sie sind meist extrem fragil. Aber sobald die Kamera lief, konnten beide erstaunlich offen mit ihren Verletzlichkeiten umgehen – sogar im gegenseitigen Austausch. Was das so gut gemacht hat, war der selbstironische Humor. Viel gegenseitiges Aufziehen, viel Spaß. Wir haben uns manchmal gefragt: „Gehen wir gerade zu weit?“ Aber sie waren immer dabei. „Nenn mich so, nenn mich anders – alles gut.“ Alle wussten: Dieses Verhalten kommt bei den Figuren aus einem Ort des Schmerzes. Deshalb wurde nichts persönlich genommen. Es war einfach guter, ehrlicher Spaß – und alle waren großartige Sportsmänner.

Die Actionsequenzen sind spektakulär. Wie bist du an die Choreografie herangegangen? Wird das alles vorher geplant oder erst im Schnitt zusammengesetzt?

Soto: Ein bisschen von allem. Ich habe schon zuvor mit John Valera gearbeitet – zuletzt bei Blue Beetle. Wir verstehen uns blind und wissen, worauf wir hinauswollen. Für mich war entscheidend, dass die Action eine Erweiterung der Charakterentwicklung ist. Man muss wissen, wo die Figuren herkommen und wie sie mit Situationen umgehen. Aber klar: Der Film heißt The Wrecking Crew. Wenn wir nichts zerstören, machen wir etwas falsch. Es darf nicht weich sein – wir mussten voll reingehen. Ich überziehe gern erstmal: Gewalt auf elf, Blut auf elf – und dann arbeiten wir uns zurück. Am Ende landen wir bei sieben oder acht. Das ist für mich der Sweet Spot. Denn fast jede Actionsequenz endet mit Humor oder Leichtigkeit – weil das Teil der Figuren ist.

Wir hatten sehr konkrete Ideen: eine Käsereibe, eine Wippe, ein Helikopter, der auf eine bestimmte Art abstürzt, ein Ninja, der auf eine ganz spezielle Weise stirbt. All das wurde vorher besprochen. John Valera und sein gesamtes Team – das ist keine One-Man-Show – haben daraus unglaubliche Sequenzen gebaut. Natürlich beginnt alles auf dem Papier. Aber das Drehbuch ist eher eine Blaupause. Im Schneideraum wird dann viel „Jazz“ improvisiert. Unser Editor Mike McCusker und sein Team sind darin herausragend – Rhythmus, Musik, Timing.

Die Highway-Sequenz zum Beispiel: Die war von Anfang an in meinen Storyboards. Fertig geworden ist sie erst ganz am Ende, als die letzten VFX kamen. Das hat über ein Jahr gedauert. Aber es hat sich gelohnt. Und dann kam noch unser Kameramann Mike Flannery mit der Idee: „Warum lassen wir den Helikopter nicht einfach im Tunnel abstürzen?“ Und ich so: „Oof. Okay. Wow.“

„The Wrecking Crew“ ist ab 28. Jänner 2026 bei Amazon Prime Video abrufbar.

Hinterlasse einen Kommentar