Mit „Vier minus drei“ ist der Salzburger Adrian Goiginger im diesjährigen „Panorama“ der Berlinale vertreten. Es ist wieder ein Film von ungeheurer emotionaler Kraft.
„Ein bisschen nervös war ich schon“, sagt Adrian Goiginger und lächelt dabei fast entschuldigend, „weil man ja nie weiß, wie es laufen wird.“ Dass sein neuer Film „Vier minus drei“ in der Berlinale-Sektion „Panorama“ Premiere feiert, wirkt trotzdem wie ein logischer Schritt. Goiginger gehört seit „Die beste aller Welten“ zu den markanten Stimmen des österreichischen Kinos – nicht laut, nicht effekthascherisch, sondern präzise, menschlich, nah an den Gefühlen.

„Ich habe am Anfang Angst davor gehabt, diesen Film überhaupt zu machen. Das Thema ist einfach so angsteinflößend.“ Der Film erzählt von Verlust, von Familie, von Trauer – und davon, wie Menschen versuchen, weiterzuleben. Keine leichte Kost, aber genau das ist Goigingers Spezialität. Schon früher hat er gezeigt, dass ihn Brüche im Leben interessieren, nicht glatte Oberflächen. Besonders berührt ihn die Frage, wie man Trauer zeigt, ohne sie zu verraten.
„Mir ist Authentizität sehr wichtig. Das heißt, dass der Dreh dieser Szenen wirklich gut tut soll – vor der Kamera und hinter der Kamera.“
Worum es in „Vier minus drei“ geht
Barbara (gespielt von Valerie Pachner) lebt mit ihrem Partner Heli und den gemeinsamen Kindern Fini und Thimo in einer warmherzigen, von Zuneigung getragenen Familie. Als Clowns von Beruf begegnen die beiden dem Alltag mit Leichtigkeit und Humor; sie haben gelernt, selbst im Scheitern noch einen Anlass zum Lachen zu entdecken. Doch ein plötzlicher Unfall entreißt Barbara ihre Liebsten und zerstört das vertraute Gefüge ihres Lebens von einem Moment auf den anderen. Inmitten der überwältigenden Trauer gerät nicht nur ihre Welt aus den Fugen, sondern auch ihr Selbstverständnis: Sie beginnt zu hinterfragen, was es bedeutet, andere zum Lachen zu bringen, wenn das eigene Leben in Dunkelheit versinkt. Trotz des Schmerzes stellt sie sich der Leere, die zurückgeblieben ist. Auf ihre eigene, ungewöhnliche Weise sucht sie nach einem neuen Umgang mit dem Verlust. Schrittweise tastet sie sich zurück ins Leben und begreift, dass selbst nach einem unermesslichen Einschnitt Hoffnung möglich bleibt – wenn man den Mut findet, sich dem Leben erneut zu öffnen.

Goiginger zeigt Barbaras Weg durch Sprachlosigkeit, Widerspruch und vorsichtige Annäherung an den Alltag der Film begleitet. Goiginger interessiert dabei weniger das dramatische Ereignis selbst als die emotionalen Prozesse danach: „Ich bin irgendwann draufgekommen, dass es viel spannender ist, Menschen dabei zuzuschauen, wie sie gegen ihre Gefühle, ihre Trauer, ihre Tränen ankämpfen.“
Gerade darin liegt Goigingers Bedeutung für den österreichischen Film: in der konsequent persönlichen, zugleich universell lesbaren Erzählweise, im Vertrauen auf emotionale Genauigkeit statt dramatischer Überhöhung und in einer Handschrift, die gesellschaftliche Erfahrung über individuelle Biografien sichtbar macht. Mit „Vier minus drei“ setzt er diesen Weg fort – als Regisseur, der das Kino nicht als Ort der Vereinfachung versteht, sondern als Raum für differenzierte, menschlich präzise Beobachtung.
Matthias Greuling
