In Produktion: Marko Doringer dreht einen neuen, wieder sehr persönlichen Film: „Der Soldat“ folgt den Lebensspuren seines Großvaters.
Von Matthias Greuling
Mit „Der Soldat“ befindet sich derzeit ein Filmprojekt in Arbeit, das sich bewusst der schnellen Verwertbarkeit entzieht. Regisseur Marko Doringer folgt darin der Lebensspur seines Großvaters, eines Soldaten im Zweiten Weltkrieg – nicht, um eine abgeschlossene Familiengeschichte zu erzählen, sondern um von dort aus einen Blick auf die Gegenwart zu werfen. Der Film ist als dokumentarische Reise angelegt, die zwischen Archivmaterial, persönlichen Dokumenten und heutigen Beobachtungen pendelt und sich jeder einfachen Zuordnung verweigern will. Die Dreharbeiten laufen derzeit auf Hochtouren.

Dass „Der Soldat“ nun tatsächlich gedreht werden kann, war lange ungewiss. Die Finanzierung erwies sich als mühsam, der Weg zur Produktionsreife als zäh. Projekte dieser Art – weder klar historischer Dokumentarfilm noch klassisches Autorenporträt – passen nur schwer in bestehende Förderraster. Sie verlangen Geduld, sowohl von ihren Machern als auch von jenen Institutionen, die bereit sind, sich auf offene Formen einzulassen. Dass die Mittel schließlich zusammengetragen werden konnten, ist weniger ein Zeichen günstiger Umstände als Ausdruck eines langen Atems.
Doringer hat sich diesen über Jahre erarbeitet. In früheren Filmen wie Mein halbes Leben, Nägel mit Köpfen, Mein Wenn und Aber oder Dein Leben – Mein Leben hat er sich immer wieder mit biografischen Übergängen beschäftigt, mit Fragen von Generation, Prägung und Selbstverständnis. Dabei ging es ihm nie um das bloße Ausstellen des Privaten. Persönliche Geschichten dienen in seinem Werk als Resonanzräume, in denen sich gesellschaftliche Erfahrungen bündeln.
Auch „Der Soldat“ folgt diesem Prinzip. Doringer spricht davon, der Spur seines Großvaters zu folgen – nicht im Sinne einer vollständigen Rekonstruktion, sondern als Annäherung. Der Film versteht sich als essayistische Bewegung, die vom historischen Material ausgeht und sich Schritt für Schritt in die Gegenwart vorarbeitet. Geschichte erscheint hier nicht als abgeschlossener Block, sondern als etwas, das in familiären Erzählungen, in Haltungen, in Leerstellen weiterwirkt. Ein Film, der nicht auf klare Thesen zielt, sondern auf Aufmerksamkeit, lässt sich schwerer absichern als einer mit eindeutiger Botschaft.
Die Dreharbeiten führen über mehrere Länder hinweg und sind auf einen langen Zeitraum angelegt (Fertigstellung: 2028). „Der Soldat“ ist kein Projekt der schnellen Aktualität, sondern eines der langsamen Verdichtung. In einer Gegenwart, in der Geschichte zunehmend vereinfacht und politisch zugespitzt wird, ist das vielleicht das Gebot der Stunde: Geschichte nicht zu behaupten, sondern ihr nachzugehen.
Infos zur Produktion: https://www.filmfabrik.com/de/film/der-soldat/
Hier gibt es Marko Doringers bisherige Filme zu sehen.
