Die 76. Berlinale ist eröffnet. Mit ein bisschen Glamour, viel Filmkunst und einem Ausblick auf spannende Entdeckungen.
Von Matthias Greuling, Berlin
Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin sind am Donnerstag mit einem Abend eröffnet worden, der die politische Kraft des Kinos ebenso betonte wie seine emotionale Tiefe. Im Berlinale Palast am Marlene-Dietrich-Platz trafen sich Schauspieler, Filmschaffende und internationale Gäste, um den Start eines Festivals zu feiern, das als Plattform für neue Stimmen gilt. Im Mittelpunkt stand der Eröffnungsfilm No Good Men der afghanischen Filmemacherin Shahrbanoo Sadat, der als Gala-Weltpremiere gezeigt wurde und zugleich ein politisch wie menschlich aufgeladenes Porträt einer Frau im Afghanistan vor der Machtübernahme der Taliban zeichnet.
Festivaldirektorin Tricia Tuttle machte bei der Eröffnungsrede deutlich, worauf es ihr in diesem Jahr ankommt: „Wir hätten etwas Offensichtliches wählen können, etwas von einer Filmemacherin, die jeder kennt, oder mit wiedererkennbaren Stars. Aber dieser Film hat uns zum Lachen und zum Weinen gebracht“, sagte sie auf dem roten Teppich und verwies auf die emotionale Wirkung der traurig-komischen Geschichte.
No Good Men begleitet Naru, eine junge Kamerafrau in Kabul, die nach einer schmerzhaften Trennung und dem Verlust der Hoffnung auf „gute Männer“ ihren Platz in einer von patriarchalen Normen geprägten Gesellschaft sucht. Der Film verknüpft intime Lebensrealitäten mit den politischen Umbrüchen des Landes und bringt dabei Humor, Romantik und existenzielle Fragen in eine kongeniale Balance. Sadat selbst lebt seit ihrer Evakuierung aus Afghanistan in Deutschland und hat mit No Good Men ein Werk geschaffen, das persönliches Erleben mit global relevanten Themen verbindet.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die Verleihung des Goldenen Ehrenbären an die international gefeierte Schauspielerin Michelle Yeoh. In ihrer bewegenden Dankesrede erinnerte sie an die Unterstützung, die ihr die Berlinale zu Beginn ihrer Karriere bot: „Als ich noch suchte, wo ich hingehöre, hat Berlin mich willkommen geheißen. Dieses frühe Willkommen hat etwas bedeutet“, sagte Yeoh mit Nachdruck.

Auf dem roten Teppich versammelten sich zahlreiche prominente Gäste, darunter Daniel Brühl, Neil Patrick Harris, Lars Eidinger sowie das frisch verheiratete Ehepaar Matthias Schweighöfer und Ruby O. Fee, die bei teils regnerischem Wetter für Fotos und Statements posierten. Einige Anwesende nutzten die Gelegenheit, politische Botschaften zu setzen: Protestierende erinnerten an die Lage im Iran, und der Appell der Schauspielerin Iris Berben an die Notwendigkeit, gesellschaftliche Errungenschaften zu verteidigen, fand viel Aufmerksamkeit.
Mit einem klaren Bekenntnis zu künstlerischer Vielfalt und gesellschaftlicher Auseinandersetzung setzte die Berlinale 2026 so ein starkes Signal – und machte deutlich, dass sie weiterhin ein Festival sein will, das gleichermaßen Debatten anstößt und cineastische Neuentdeckungen feiert.
