Triumph für „Rose“ von Markus Schleinzer

Premiere für Österreichs Beitrag „Rose“ mit Sandra Hüller: Die Kritiker sind begeistert.

Markus Schleinzers neuer Film „ROSE“, im Wettbewerb der Filmfestspiele in Berlin uraufgeführt, wurde nach der Premiere mit lang anhaltendem Applaus gefeiert. Schleinzer erzählt in streng komponierten Schwarz-Weiß-Tableaus eine Geschichte, die im 17. Jahrhundert angesiedelt ist und zugleich weit über ihre historische Verortung hinausweist. Im Zentrum steht eine Frau, die sich als Mann ausgibt, um in einer ländlichen Gemeinschaft ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen zu können. Aus dieser Konstellation entwickelt der Film ein dichtes Geflecht aus Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und sozialer Ordnung. Was zunächst wie ein historisches Drama erscheint, entfaltet sich zunehmend als zeitübergreifende Reflexion über Freiheit und die Gewalt gesellschaftlicher Normen – erzählt mit der für Schleinzer typischen Präzision, Zurückhaltung und formalen Strenge.

Entscheidend getragen wird dieser Ansatz von Sandra Hüller, deren Darstellung der Titelfigur zu den eindrucksvollsten schauspielerischen Leistungen des Festivals gezählt wird. Mit minimalen Gesten, kontrollierter Körperlichkeit und einer bis ins Detail gearbeiteten Präsenz verleiht sie der Figur eine zugleich fragile und unbeugsame Würde. Ihre Rose ist kein Symbol, sondern ein Mensch in permanenter Anspannung – jemand, der sich in jedem Blick, in jeder Bewegung neu behaupten muss. Bei der Pressekonferenz betonte Schleinzer, dass ihn weniger ein klassisches Emanzipationsnarrativ interessiert habe als die grundsätzliche Frage nach Autonomie: nach dem Wunsch, ein eigenes Leben führen zu können, selbst unter Bedingungen, die Abweichung bestrafen. Der historische Abstand eröffne dabei einen besonderen Blick auf die Gegenwart, weil er gewohnte Urteile und ideologische Reflexe unterlaufe. Zugleich schilderte er offen seine langjährige künstlerische Bewunderung für Hüller und machte deutlich, dass die Rolle von Beginn an mit ihr verbunden gewesen sei.

Markus Schleinzer mit seinen Stars. Foto: Katharina Sartena

Hüller wiederum beschrieb die Arbeit an der Figur als einen Prozess intensiver körperlicher und psychischer Annäherung. Entscheidend sei nicht allein das äußere Verbergen der Identität gewesen, sondern die permanente Wachsamkeit einer Person, die jederzeit entdeckt werden könnte. Diese innere Spannung habe Haltung, Stimme und Bewegung geprägt – und damit die gesamte filmische Präsenz der Figur.

Beitrag zusammengestellt von Matthias Greuling, Berlin

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