Bruno Kreisky: Wie er wurde, was er war

Harald Sicheritz hat mit seinen Komödien österreichische Filmgeschichte geschrieben. In „BRUNO – Der junge Kreisky“ (jetzt im Kino) erzählt er nun vom Heranwachsen eines Mannes, der die Republik später prägen sollte. Ein Gespräch über den Wunsch, die Welt zu verändern, die Besetzung einer politischen Legende und das jahrelange Ringen um einen historischen Kinofilm.

Von Matthias Greuling

Sie erzählen von einem jungen Menschen, der sich mit den Verhältnissen nicht abfinden will. Was interessiert Sie daran besonders?

Harald Sicheritz: Dass diese Geschichte so aktuell ist. Früher hätte ich gesagt: zeitlos aktuell. Mittlerweile sage ich: dringend aktuell. Da ist ein Mensch, der schon sehr früh findet: So, wie die Welt ist, ist sie nicht gut. Sie muss besser werden, und ich möchte daran mitarbeiten. Dazu kommt bei Kreisky die Überzeugung: Ich kann das auch. Er hat sich schon in jungen Jahren zugetraut, etwas zu verändern, und war überzeugt, dafür Talent zu haben.

Der spätere Bundeskanzler ist ein Nationalheiligtum. Seine Jugend kennt man hingegen kaum. War gerade das ein Anreiz?

Ja, ich fand diesen Zugang sehr reizvoll. Sobald man Kreiskys Rückkehr aus Schweden und sein Leben in der Zweiten Republik erzählt, bestimmen die politischen Zusammenhänge ganz wesentlich die Geschichte. Natürlich ist Politik auch bei uns ein wichtiger Faktor. Im Mittelpunkt steht aber das Erwachsenwerden eines jungen Mannes, der erst später zur Legende wird. Wir erzählen ein Coming-of-Age.

Harald Sicheritz (links) mit dem celluloid-Team Katharina Sartena und Matthias Greuling am Set.

Wie viel Vorwissen braucht das Publikum dafür?

Wir haben den Film so angelegt, dass man kein besonderes geschichtliches Wissen mitbringen muss. Gerade ganz junge Menschen wissen teilweise nicht mehr, wer Bruno Kreisky war. Die Geschichte soll auch für sie funktionieren.

Von wem kam der Anstoß, daraus einen Kinofilm zu machen?

Von Fritz Schindlecker. Er kam zu mir und fragte, ob ich das Kinodrehbuch machen und dann, wenn das Projekt zustande kommt, auch Regie führen möchte. Ich fand die Idee ebenso einfach wie genial. Es hatte ja noch niemand einen Spielfilm über Kreisky gemacht – weder über den jungen noch über den älteren.

Mit Nils Arztmann steht ein Schauspieler im Zentrum, der Kreisky selbst nicht mehr erlebt hat. Wie fiel Ihre Wahl auf ihn?

Als ich ihn kennenlernte, war er ein auffälliger, geradezu verhaltensauffälliger Reinhardt-Seminarist. Ich habe ihn und sechs andere Kandidaten gecastet. Das ging über mehrere Runden, und am Ende blieb er übrig. Besonders aufschlussreich war es, ihn mit anderen Schauspielerinnen und Schauspielern spielen zu lassen. Schon an deren Reaktionen beim gemeinsamen Spielen habe ich gemerkt, dass er mit Sicherheit der Beste ist. Inzwischen ist er ein junger Star der Josefstadt. Als ich zum ersten Mal dachte, wir würden jetzt drehen, war das noch nicht so.

Zwischen der ersten Idee und dem Dreh lag also einiges an Zeit?

Sehr viel Zeit. Die ersten Aufnahmen über die Entstehung des Projekts stammen von 2019. Wir haben über Jahre versucht, zusätzliches Geld aufzutreiben. Deshalb ist es schön, dass es in Zusammenarbeit mit Danny Krausz und Milan Dor schließlich gelungen ist, das Projekt so einzudampfen, dass es mit den vorhandenen Mitteln machbar und trotzdem noch sehenswert war. Finanziert war es dann mit Ach und Krach.

Filmliebe von Bruno Kreisky: Maya Unger. Foto: Petro Domenigg

Bekannt geworden sind Sie vor allem mit Komödien. Gehen Sie an ein ernstes historisches Drama grundsätzlich anders heran?

Ich glaube, das ist wurscht. Im besten Fall hat man eine Handschrift, mit der man Geschichten erzählt. Wie diese Handschrift aussieht, kann man selbst allerdings nur schwer beurteilen. Das können andere meistens besser.

Was zieht Sie zum historischen Film?

Ich liebe historische Filme sowieso. Ich habe auch schon mehrere fürs Fernsehen gedreht. Im Kino ist das jetzt mein erster Film, der durchgehend historisch ist. Dazu kommt, dass ich Politikwissenschaft studiert habe. Schon als junger Mensch ist mir aufgefallen, wie stark unsere Vorstellungen von vergangenen Zeiten aus Filmen stammen. Das gilt besonders für Epochen, aus denen es nur wenige dokumentarische Filmaufnahmen gibt. Ein großer Teil dessen, was wir über diese Zeiten zu wissen glauben, kommt aus solchen Filmen.

Harald Sicheritz (r.) im Gespräch mit Matthias Greuling im Wiener Filmcasino. Foto: Katharina Sartena

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