celluloid stellt die drei Hauptpreisträger der Linzer Filmschau vor.
Die Preise sind vergeben, das Linzer Filmfestival Crossing Europe hat sich wieder einmal als hochqualitativer Querschnitt durch das europäische Kunstkino erwiesen. Hier die drei Hauptpreisträger in einer kurzen Vorstellung:
CROSSING EUROPE Award – Best Fiction Film:
GEWINNER: ANUL NOU CARE N-A FOST/THE NEW YEAR THAT NEVER CAME
Bogdan Mureșanu, Rumänien / Serbien 2024, color; 138 Minuten; Rumänisch
Am 20. Dezember 1989 steht Rumänien am Rande einer Revolution.: Auf den Straßen finden Demonstrationen statt, Studenten verhöhnen das Regime durch Kunst und Neujahrsshows verherrlichen Ceauşescu. Eine Schauspielerin zeigt Nerven, als sie plötzlich einen propagandistischen Fernsehgruß sprechen soll. Während der Sohn des verantwortlichen TV-Regisseurs sich ebenfalls daran macht, illegal auszureisen, muss ein Vater einen politisch heiklen Brief aus dem Verkehr ziehen und die Mutter eines Security-Mitglieds hadert mit dem Abriss ihrer Wohnung. Draußen tobt die Revolution, doch in der Unbehaglichkeit ihrer ungeheizten Wohnungen kämpfen Familien mit persönlichen Konflikten und der allgegenwärtigen Geheimpolizei. Sechs scheinbar unverbundene Leben kreuzen sich schlussendlich auf unerwartete Weise. Als die Nachricht des Massakers von Timișoara die Hauptstadt erreicht, kommt es zu einem explosiven Moment und die verflochtenen Episoden laufen in einem furiosen Finale zusammen: die Ansprache des untergehenden Despoten Ceauşescu und dessen dramatischer Sturz bzw. des kommunistischen Regimes. „Dieser Film bietet einen symphonischen Blick auf ein historisches Ereignis, das in unseren Filmen vielleicht zu oft nur durch eine Linse dargestellt wurde.“

CROSSING EUROPE Audience Award – Best Fiction Film:
GEWINNER: HOLY ROSITA
Wannes Destoop; Belgien 2024; color; 91 Minuten; Niederländisch
Rosita ist eine beliebte Frau, die trotz ihrer leichten geistigen Behinderung den sehnlichen Wunsch hegt, ein Kind zu bekommen. Ein Wunsch, den die anderen Personen um sie herum für unerfüllbar halten – ihre Selbstbestimmung wird in Frage gestellt. Schließlich kann sie sich kaum um sich selbst kümmern. Als die junge Frau doch schwanger wird, löst das große Sorgen aus, vor allem bei ihrem Vormund. Aber andere Menschen, wie Rositas einfühlsame Nachbarin, hingegen glauben an sie und unterstützen sie. „HOLY ROSITA verhandelt Fürsorge, Kontrolle und das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Übergriff. Ein berührendes Plädoyer für das Recht, anders zu sein und dennoch Mutter zu werden.“

CROSSING EUROPE Social Awareness Award – Best Documentary Film:
GEWINNER: THE FLATS
Alessandra Celesia; Frankreich / Belgien / Irland / Großbritannien 2024; color; 114 Minuten; Englisch
Von den späten 1960er-Jahren bis 1998 tobte in Nordirland ein blutiger Konflikt zwischen republikanischen Katholiken und royalistischen Protestanten, der unzählige Opfer auf beiden Seiten forderte: Über 3.500 Menschen wurden getötet, 50.000 verletzt – mehr als die Hälfte davon waren Zivilist*innen. Oftmals Kinder, die bis heute traumatisiert sind. New Lodge in Belfast ist ein katholisches Viertel, das von den Unruhen stark betroffen ist. Viele der hier lebenden Männer waren in ihrer Jugend paramilitärisch aktiv und leiden heute unter Desillusionierung, Arbeitslosigkeit und schlechter psychischer Verfassung. Die Frauen arbeiten, um die Gemeinschaft über Wasser zu halten. Der nun erwachsene Joe, damals neun Jahre alt, musste miterleben, wie sein Onkel ermordet wurde. Sein Verlangen nach Rache bestimmt seitdem sein Leben. In seiner Hochhauswohnung lässt er die traumatischen Erinnerungen an seine Kindheit wieder aufleben und beginnt einen Prozess der kollektiven Aufarbeitung, an dem sich auch seine Nachbarn beteiligen, indem sie die Ereignisse, die ihr Leben und den Stadtteil, in dem sie leben, geprägt haben, noch einmal Revue passieren lassen. „Ein tiefgründiges und provokantes Porträt einer Gemeinschaft, durchdrungen von tiefer Menschlichkeit und bissigem Witz.“ Sarah Riepl

Fotos: Crossing Europe / Sarah Riepl
Infos: www.crossingeurope.at
